Teelöffel – Besteckschmuck – 1. Versuch

Neulich schwärmte mir frau von „Besteckschmuck“ vor, den sie auf einem Kunsthandwerkermarkt gesehen hatte. Ja, den kannte ich, ich hatte mir vor ganz vielen Jahren einmal einen „Gabel-Armreif“ gekauft:

gekaufter Gabel-Armreif
gekaufter Gabel-Armreif

die Zinken der Gabel sind kunstvoll verbogen und gehämmert, der Griff der Gabel umschlingt den Arm.  Gemarkt ist die Gabel mit ALPACCA, einem geschützten Markenzeichen für Neusilber. Neusilber enthält kein Silber, sondern ist eine Kupfer-Nickel-Zink-Legierung, die aussieht wie Silber.

Naja, so einen Schmuck hatte ich noch nicht gemacht. Ich sah mir verschiedene YouTube-Videos an. In einigen Videos wurden die Besteckteile um einen runden Gegenstand gebogen bzw. gehämmert, in anderen Videos wurden die Besteckteile zunächst „ausgeglüht“, also so stark mit einer offenen Flamme erhitzt, dass sie glühten, sich rot verfärbten, und erst dann weiterverarbeitet. Durch das Ausglühen lassen sich die Metallteile leichter verbiegen und bearbeiten.

Zu meiner Einschulung hatte ich einen silbernen Teelöffel von meiner Patentante geschenkt bekommen.

Bei dem „Silberlöffel“ handelt es sich um einen versilberten Teelöffel, der Versilberungsgrad von 90 ist auf der Rückseite punziert (eingeschlagen). Die 90er Versilberung bedeutet, dass 90g Feinsilber auf 24 dm² aufgetragen wurden.

Mein Einschulungs-"Silber"-Teelöffel
Mein Einschulungs-„Silber“-Teelöffel

Silberbestecke aus der Jugendstil-Zeit (um 1920) sind meist aus 800er oder 900er Silber hergestellt, d.h. von 1000 Teilen sind 800 oder 900 Teile Silber.

Vor ganz vielen Jahren hatte ich mehrere Silberschmiedekurse besucht und mit 925er Silber gearbeitet. Meine Werkzeuge für die Bearbeitung von Silber musste ich erst finden 😉

Zunächst maß ich die Ringgröße aus, indem ich ein Maßband um den Finger legte.

Ring1-messen,sägen, feilen
Ring1-messen, sägen ,feilen

Ich übertrug die Länge auf den Löffelstiel. Um das Silber nicht zu verkratzen, benutzte ich Kunststoffhalter an der Schraubzwinge und klebte die Backen des Schraubstockes mit Klebeband ab. Ich spannte den Löffel ein und sägte ihn ab. Das Ende feilte und schmirgelte ich glatt.

Ohne Ausglühen ließ sich der Löffel nicht biegen. Mit einem kleinen Brenner glühte ich das Metall aus.

Ring2- feilen, ausglühen, biegen, polieren
Ring2-feilen, ausglühen , biegen, polieren

Danach habe ich den Metallstreifen mit einem Kunststoffhammer über einen Ringriegel gehämmert und ihn so zu einem Ring geformt.

Zum Schluss wurde mein Einschulungs-„Silber“-Ring  mit dem Dremel poliert.

Ja, leider hat durch das Ausglühen des Löffelstiels die Silberbeschichtung gelitten…das Muster des Löffelstiels ist nicht mehr so gut zu erkennen und es hat sich eine unregelmäßige Oberfläche gebildet, „krisselig“. Ich mag ja „Zufällig“-Entstandenes.

Mal sehen, was aus der Löffel-Laffe (so nennt man den vorderen Teil eines Löffels, habe ich gegoogelt, Kelle ist auch gebräuchlich) noch wird 😉

Diesmal entschloss ich mich, den Brenner nicht einzusetzen und die Laffe „kalt“, also ohne Hitze, umzuformen.

Laffe-biegen, polieren, feilen
Laffe-biegen, polieren, feilen

Es war nicht leicht, die Zunge des Löffels (oberer Teil des Löffelstiels) zu einer Öse zu biegen, ich spannte den Stiel ein, bog ihn und hämmerte ihn um ein rundes Stück Metall. Danach wurde der Kettenanhänger poliert und die Öse etwas ausgefeilt, so dass die Kette hindurch passte. Es wäre sicher viel leichter gewesen, wenn ich die Zunge vorher abgefeilt hätte: leichter zu biegen und  das Ausfeilen der Öse wäre nicht nötig gewesen.

Laffe als Kettenanhänger
Laffe als Kettenanhänger

Ja, das war mein erster Versuch „Besteck-Schmuck“ zu gestalten.

Löffel-Schmuck
Löffel-Schmuck

Ich werde den Ring vielleicht noch einmal bearbeiten, so dass das alte Muster nicht mehr zu sehen ist: noch mal erhitzen, um eine ganz krisselige Oberfläche zu erzeugen oder mit einem Hammer ein Hammerschlag-Muster  erzeugen.

 

Update – 17.01.2019

Beachten Sie bitte den Kommentar von Dr. Kroneisen! Ein toller Tipp zur Herstellung von versilbertem Besteckschmuck!

4 Gedanken zu „Teelöffel – Besteckschmuck – 1. Versuch“

  1. Hallo, das mit dem „Ausglühen“ ist nur zum Teil richtig. Als Chemiker und Hobby-Goldschmied gebe ich zu Bedenken: Silber oder Kupfer werden beim Erhitzen um 600 °C weich, wenn man sie in kaltem Wasser abschreckt, also umgekehrtes Verhalten zu Stahl! Langsam an Luft abgekühlt werden sie hart.
    600 Grad liegen noch unter dem Aufschmelzen der Versilberung. Bitte rußen Sie mit einer Kerzenflamme das Werkstück ein bis es überall eine zart schwarze Oberfläche besitzt. Dann Erhitzen mit der Flamme bis der Ruß gerade verschwindet und sofort in kaltes Wasser ! Bei etwa 600 Grad verbrennt der Ruß. Viel Erfolg!

    1. Herzlichen Dank Dr. Kroneisen für Ihren tollen Tipp zur Herstellung von versilbertem Besteckschmuck!
      Ich werde es ausprobieren 😉
      Viele Grüße
      Ilse Heines

      1. Ergänzend ist noch zu bemerken, dass versilbertes Besteck nicht aus allen Grundmaterialien „umgeschmiedet“ werden kann. Neusilber ist gut geeignet , z.B. WMF als Hersteller. Ich hatte auch schon Bestecke mit einem messingfarbenen Grundkörper. Diese ließen sich auf keine Weise umformen, sie brachen einfach. -Auch habe ich Löffel weich gemacht und im Schraubstock mit Kunsstoffbacken platt gedrückt. Nach dem Biegen zu einem Armband nochmals mit kleiner heißer Flamme in der Mitte der Fläche vorsichtig erhitzt ergab ein interessantes Runzelmuster des aufgeschmolzenen Silbers in der Mitte.

        1. Danke, dass Sie Dr. Kroneisen diesen Beitrag mit Ihren Erfahrungen bereichert haben! Bestimmt nicht nur für mich eine Inspiration!
          Herzliche Grüße
          Ilse Heines

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